Ken Waxman, Jazzword

Real-time, pedal-to-the-floor Free Jazz is the long and the short description of this CD, with this German trio proving that masterful improvising can result from the almost extrasensory interaction among experienced players. (…)

This session will never be confused with chamber music however. Keune’s reed eruptions encompass frequent wheezing, crying and spitting. He engages in enough parlando interfaces with the others to suggest that the saxophone is taking a theatrical lead role in a highly melodramatic opera. Meanwhile Schneider maintains the tempo of the tunes with either swift sul tasto sweeps or a steady bowed ostinato. Criss-crossing the others’ output Krämer breaks up the time with rolls, pops, pitter-pattering, cymbal resonation and sudden bell ringing. (…)

Distinctive definite Free Jazz is the trio’s rasion d’etre and its achievement.

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, 2007, #55

Dass E. Rodrigues die diskrete Ausrichtung seines Labels nicht puristisch hütet, zeigt sich einmal mehr mit The Long And The Short Of It (CS 091). Denn der Sopranino- & Altsaxophonist Stefan Keune (*1965) und seine Partner, der Drummer Achim Krämer (*1955) und der Kontrabassist Hans Schneider (*1951), sind alle drei altgediente Bergleute und Froschmänner im Who is Who des Plinkplonk. Keune, der mit seinem Solo Sunday Sundaes (CS 030) bereits das Lissabonner Terrain sondiert hatte, ist im Duo mit John Russell und mit dessen Projekt Quaqua seit Jahren direkt verlinkt mit dem britischen Way of Improvising. Krämer & Schneider sind sogar seit noch Längerem schon Kumpel im Georg Gräwe Quintett und im Grubenklangorchester, Schneider ist daneben noch auch noch in Quatuohr zu finden und immer wieder an der Seite von Paul Lytton. Krämer heuer in Moers bei Eckard Koltermanns Border Hopping. Die Hauptparameter ihrer Ästhetik als Trio sind daher nicht ,Geräusch‘ und ,Reduktion‘. Im Gegenteil. Weitgehend maximalistisch spritzen sie mit quicken und quirligen Klangverwirbelungen um sich, interagieren mit abrupten dynamischen Changes. Im Austausch der Incus- & Bead-Versuchsreihen mit Soundaspekten der kontinentalen King Übü Örchestrü-Schule des Ungehorsams werden quasi Lachenmann’sche Partituren mit der Virtuosität von Varietékünstlern oder Falschspielern wie Asse aus dem Ärmel geschüttelt. Das Cover zeigt Stapel alter Säcke. Nichts könnte irreführender sein, um das ständige Funkeln und Blitzen in der Trioretorte zu illustrieren. Selbst abgeflachte und gepresste Passagen wie etwa der lange Ausklang von ,In due form‘ oder das molekular ausgedünnte ,Three‘ und selbst ,On the quiet‘ sind noch durch ihre Äquivalenz zu Pollock’scher Expressivität geprägt.